Was wir tun


Willkommen im Nick-Labor

  

Molekulare Zellbiologie (Prof. Dr. Peter Nick)

Fritz-Haber-Weg, Gbd. 30.43 (Biologieturm), 5. Stock. e-mail. So finden Sie uns

Interview in Biospektrum

Living is Searching (Springer-Nature 2023)

 

Sekretariat

Protoplasma

Die Zeitschrift für Zellbiologie mit der längsten Tradition. mehr...

 

Biohacking mit Pyriculol

Etwa die Hälfte der Lebensformen auf unserem Planeten leben als Parasiten. Die unfreiwilligen "Wirtsorganismen" wehren sich mit Immunsystemen. Auch Pflanzen verfügen über Immunität, die jedoch völlig anders aufgebaut ist als unser Immunsystem. Die Komplexität ist jedoch durchaus vergleichbar und ist aus einem evolutionären Wettrüsten zwischen Pflanzen und ihren Parasiten entstanden. Zunächst gibt es eine breite basale Immunität, die gegen ganze Gruppen Organismen (etwa alle Bakterien oder alle Pilze) wirkt. Jedoch ist Evolution immer im Fluss - die Pflanzenpathogene entwickelten daher Signale, sogenannte Effektoren, mit denen sie die auf dem Stresshormon Jasmonsäure aufgebaute basale Immunität ausschalten können. In der nächsten Runde des Wettlaufs entwickelten manche Pflanzen dann Proteine, die solche manipulativen Signale erkennen und die Immunität wieder anschalten können. Häufig wird dann als letzte Bastion über Salicylsäure (übrigens der natürliche Vorläufer von Aspirin) ein Selbstmordprogramm eingeleitet, so dass die befallene Zelle durch ihr Opfer den Angreifer mit in den Tod reisst, so dass die Nachbarzellen geschützt sind. Wir zeigen nun, wie der Erreger des Reisbrands, eine Pilzkrankheit mit massiven Folgen für die Ernährungssicherheit in vielen asiatischen Ländern, eine neue, geradezu teuflisch raffinierte, Methode entwickelt hat, um das Immunsystem seiner Wirtspflanze zu "hacken": Er produziert das Polyketid Pyriculol, das in seiner Struktur das Abwehrhormon Salicylsäure (übrigens der natürliche Vorläufer von Aspirin) imitiert. Diese Imitation spart jedoch wichtige Funktionen von Salicylsäure fein säuberlich aus: zwar wird der Zelltod eingeleitet und die basale (von Jasmonsäure abhängige) Immunität abgeschaltet, aber die Bildung von Abwehrstoffen, die die Kamikazestrategie des Opfertods erst wirksam machen unterbleibt. Gleichzeitig werden die benachbarten Zellen mit falschem Alarm nervös gemacht, so dass sie sich schon umbringen, bevor der Pilz überhaupt angekommen ist. Diese raffinierte Geschichte wurde von Dr. Junning Ma, der mit einem Chinese Scholarship Council Stipendium bei uns promoviert hat, zutage gefördert und ist nun im Journal of Experimental Botany erschienen

Veröffentlichung

225. Ma J, Morel JB, Riemann M, Jacob S, Nick P. Pyriculol-mediated defence potentiation in rice: a non-pathogenic secondary metabolite enhances host immunity against Magnaporthe oryzae. J Exp Bot, 10.1093/jxb/erag061 - pdf

 

 

Der neue "Strasburger"

Vor 127 Jahren begründete Eduard Strasburger das Lehrbuch der Botanik. Jetzt ist die 38. Auflage erschienen - damit ist der Strasburger das Biologielehrbuch mit der längsten Geschichte. Peter Nick steuerte einige 100 Seiten zu den Themen Struktur und Funktion des Pflanzenkörpers und pflanzliche Entwicklung bei. Der "Strasburger" verfolgt den Anspruch, das gesamte Wissen über Pflanzen umfassend, aktuell und dennoch gefiltert darzustellen. Auch wenn es noch nie so einfach war, sich Informationen zu beschaffen, besteht das Problem zunehmend darin, nach relevant und irrelevant zu filtern. Lehrbücher sind also nicht obsolet, sie sind wichtiger denn je. mehr...

FKI

Der Lehrpreis des Landes 2015 ging an Peter Nick and Mathias Gutmann. Mit dem Preisgeld bauten wir das Forum auf, um über die Grenzen von Fakultäten und Disziplinen kontroverse Themen zu hinterfragen und zu diskutieren. Im SS 2026 geht es um die Frage, ob nichtmenschliche Lebensformen auch Rechte haben sollten. mehr...

ARTTI Podcast über Gentechnik in der Landwirtschaft. mehr...

 

 

 

 

Wozu gibt es Stromuli?

Plastiden beherbergen die Photosynthese, die alles Leben auf unserem Planeten erhält. In Antwort auf Stress können sie lange fingerartige Auswüchse bilden. Diese Stromuli waren schon vor etwa 150 Jahren beobachtet, dann aber wieder vergessen worden. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurden sie wiederentdeckt. Zunächst glaubte man, dass die Plastiden über Stromuli als Röhren miteinander verbunden sind, was später aber widerlegt wurde. Wozu gibt es sie dann? Uns gelang es, durch Behandlung mit dem "Pflanzenadrenalin" Jasmonat, Stromuli gezielt und kontrolliert auszulösen und mithilfe von Spinning Disc Konfokalmikroskopie und fluoreszenten Markern zu untersuchen. Im Rahmen ihrer Promotion konnte Toranj Rahpeyma nun  zeigen, dass die gestressten Plastiden über Stromuli dem Zellkern signalisieren, dass sie Hilfe brauchen. Der Zellkern kurbelt dann die helfende Gene an, deren Produkte dann in den Plastiden eintransportiert werden. Stromuli nehmen aber auch mit anderen Teilen der Zelle Kontakt auf, zum Beispiel mit den Peroxisomen, die an der Bildung von Jasmonaten beteiligt sind. Diese mysteriösen Plastidenfinger sind also nichts anderes als die Manifestation der sonst unsichtbaren, komplexen Signalvorgänge, die im Inneren von Pflanzenzellen ablaufen, wenn sich diese Zellen mit Stress auseinandersetzen müssen.

Veröffentlichung

228. Rahpeyma T, Varo GV, Mühlberg F, Nick P (2026) Fingers for Signaling. A Possible Role Of Stromules In Intracellular Communication. Plant Physiol, accepted 29.04.2026

 

 

 

Neues Projekt im Bereich Vertical Farming

Am 1. November beginnt ein neues Kooperationsprojekt mit dem Start-up Vertical Farming und dem Max-Rubner-Institut, gefördert vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Laufzeit ist drei Jahre. In einem vom Land Baden-Württemberg geförderten Vorgängerprojekt wurde in der Versuchsanstalt des JKIP ein Prototyp für eine Vertical Farm Installation getestet, bei dem die Bildung von wertgebenden Inhaltsstoffen durch wiederholte Schwerkraftreizungen stimuliert wurde. In diesem Zusammenhang wurde entdeckt, dass durch Aeroponik (Besprühen mit einem Nährstoffnebel) das Wurzelwachstum in bisher nie gekanntem Ausmaß gesteigert werden kann. Das neue Projekt will nun diese Entdeckung weiterentwickeln. Es geht um hochpreisige Rhizompflanzen wie Ingwer, Curcuma oder Wasabi. Um die kostbaren Produkte vor Befall durch Krankheitserreger zu schützen wird eine neue Technologie getestet, wobei die Wurzeln mit von uns identifizierten Wurzelbakterien behandelt werden, die in der Lage sind, das pflanzliche Immunsystem zu stimulieren. Auf diese Weise hoffen, wir, dass man nicht nur chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden kann, sondern auch auf die im Bereich Vertical Farming extremen Quarantänestandards verzichten kann, was die Kosten stark absenken und den Wirkungskreis dieser neuen Anbaumethode beträchtlich erweitern würde.

EvoDevo der Artbildung

"Art" ist ein zentraler biologischer Begriff und wird in der Regel im Sinne von Fortpflanzungsgemeinschaft verstanden. Dieser Artbegriff funktioniert bei Tieren sehr gut, weil hier Paarungen zwischen Individuen verschiedener Arten in der Regel nicht funktionieren oder steril bleiben (klassisches Beispiel wäre das Maultier). Pflanzen wählen jedoch ihren Geschlechtspartner nicht selbst, sondern nutzen die Hilfe von Insekten dafür. Außerdem können Pflanzen bei Störungen der geschlechtlichen Fortpflanzung sich mit asexueller Fortpflanzung behelfen. Was ist nun eine "Art" bei Pflanzen? Dr. Sascha Wetters hat hierzu ein neues Konzept vorgeschlagen, wonach Gene, die Blütenform oder -geometrie verändern Treiber der Artbildung sind. Um diese Idee zu prüfen, hat er sich eine harte Nuss vorgenommen - die Gattung Salbei, mit über 1000 bekannten Arten, eine der vielfältigsten Gattungen überhaupt. Hier kann er zeigen, dass eine Verdopplung des Genschalters GLOBOSA dazu führte, dass Salbei bei Besiedlung der Neuen Welt über Vergrößerung seiner Blüten und Veränderung ihrer Asymmetrie neue Bestäuber, nämlich Kolibris, rekrutieren konnte, wodurch zahlreiche neue Arten entstanden. Damit schlägt er eine Brücke zwischen Entwicklungsbiologie und Evolution. Diese Arbeit ist nun veröffentlicht worden:

217. Wetters S, Nick P (2025) B-class gene GLOBOSA – a facilitator for enriched species diversity of Salvia in the New World? Plant Biol, 10.1111/plb.70002 - pdf

Was wir forschen

Leben ist nicht einfach. Es gibt zwei Wege, das zu meistern – Tiere rennen davon, Pflanzen passen sich an. Wir wollen verstehen, wie. Der Schlüssel sind pflanzliche Zellen, denn sie vermitteln Gestalt, Anpassung und die enorme Vielfalt der Pflanzen.

  

Evolution löst Probleme nachhaltig, auf vielfältige Weise. Können wir diese Vielfalt nutzen? Wir wollen Biodiversität schützen und nutzen. Wir entwickeln Methoden, um Verbraucherschutz in Zeiten der Globalisierung zu sichern. mehr... In unserem von Interreg Oberrhein geförderten Forschungsverbund nutzen für Resilienzfaktoren aus der fast ausgestorbe-nen Europäischen Wildrebe, um KliWi-Reben (für Klima-Widerstandsfähig) zu entwickeln. mehr...
Pflanzen sind Meister der Anpassung. Wie meistern sie Stress? Wir arbeiten an Jasmonsäure, dem pflanzlichen "Adrenalin", aber auch über das Immunsystem der Weinrebe. mehr..

Gemeinsam mit Partnern in Colmar und Basel versuchen wir im Projekt "Roots of Resilience" die Immunität von Weinreben über von uns identifizierte Wurzelmikroben zu stimulieren mehr...

Gemeinsam mit dem start-up Vertical Farm Tech und dem Max-Rubner Institut entwickeln ihr im Projekt "VFT4Hero" eine Vertical Farm Strategie für die Superfood-Pflanzen Ingwer, Curcuma und Wasabi.

Pflanzenzellen können Selbstorganisation ohne einen "Big Brother". Die Fähigkeit jeder einzelnen Zelle, sich selbst eine Richtung zu geben, ist hier zentral. Wie geht das? mehr... Hygrophila, ein neues Modell, um Anpassung an Stress zu untersuchen steht im Zentrum der Forschungen von Dr. Jathish Ponnu und seinem Team (Wild Ideas Programm, 2025-2026). mehr...