Was wir tun


Willkommen im Nick-Labor

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Molekulare Zellbiologie (Prof. Dr. Peter Nick)

Fritz-Haber-Weg, Gbd. 30.43 (Biologieturm), 5. Stock. e-mail. So finden Sie uns

Interview in Biospektrum

Living is Searching (Springer-Nature 2023)

 

Sekretariat

Protoplasma

ist die älteste deutschsprachige Zeitschrift für Zellbiologie und feiert den 100. Geburtstag. Wir geben Sie heraus, gemeinsam mit Springer-Nature. mehr...

 

Ein Mikrotubulimotor als pflanzlicher Thermometer

Klimawandel heisst nicht nur heiße und trockene Sommer, sondern auch zunehmend verschwommene Grenzen zwischen den Jahreszeiten, wobei ein häufig viel zu warmer März Blätter und Blüten hervortreibt und dann plötzliche Frostperioden im späteren Frühling vor allem im Wein- und Obstbau alles zunichte machen. Viele Kulturpflanzen können sich eigentlich gegen Kälte abhärten. Der Winterweizen etwa wird im Herbst gesät und kommt durch den Winter, weil die Jungpflanzen die allmählich sinkenden Temperaturen als Signal für den nahenden Winter erkennen und sich mit Frostschutzproteinen wappnen. Im Frühjahr sind sie dann schon deutlich weiter, so dass man früher ernten kann als beim klassischen Sommerweizen. Für diese Abhärtung sind die Mikrotubuli zentral, Proteinstäbchen, die auch in unseren Zellen vorkommen und etwa die Teilungsspindel aufbauen oder die Nervenfasern in unserem Gehirn stabilisieren. Bei Pflanzen sind die Mikrotubuli wichtige Sinnesorgane, an der Oberfläche der Zelle Schwerkraft, Berührung, aber eben auch Kälte wahrnehmen. Wie gelangt die Information von dort in den Zellkern, wo schützende Gene aktiviert werden. Wie können wir diese Signalübertragung effizienter machen, um Pflanzen zu züchten, die mit dem immer wankelmütigeren Frühling umgehen können? Wir haben einen neuartigen Mikrotubulimotor, das Dual Localisation Kinesin entdeckt, das als Reaktion of Kälte in den Zellkern einwandert und dort das An- und Abschalten der Gene steuert. In unserer neuen Arbeit können wir zeigen, dass dieses Kinesin vor allem als "Gendämpfer" wirkt. Wenn wir dieses Kinesin über Gentechnik künstlich hochfahren führt das zu einer erhöhten Kälteempfindlichkeit von Tomaten und Weinzellen. Wenn wir diesen Motor mithilfe von CRISPR-Cas gezielt ausschalten, erhalten wir Pflanzen, die robuster auf Kältestress reagieren. Dieses Kinesin ist nicht allein, sondern wechselt zwischen verschiedenen Bindepartnern, die wir auch identifizieren konnten. Ein erstaunlicher Nebeneffekt war, dass wir, wenn wir dieses Kinesin in Tomaten manipulieren, Pflanzen mit deutlich größeren Früchten erhalten. Das Dual Localisation Kinesin verknüpft also zwei Jobs - es fungiert als Thermometer und stimmt das Wachstum der Pflanze mit der Abwehr von Kältestress ab. Diese Arbeit ist nun in der renommierten Fachzeitschrift Plant Physiology akzeptiert worden.

Veröffentlichung

233. Wu J, Shi WJ, Luo SF, Armlich LM, Wu YJ, Liu QW, Chen X, Eliseev R, Kretzler NK, Kumar S, Guan PY, Nick P (2026) VvDLK negatively regulates cold tolerance by interacting with 14-3-3A in grapevine. Plant Physiol, accepted 28.09.2026

 

Der neue "Strasburger"

Vor 127 Jahren begründete Eduard Strasburger das Lehrbuch der Botanik. Jetzt ist die 38. Auflage erschienen - damit ist der Strasburger das Biologielehrbuch mit der längsten Geschichte. Peter Nick steuerte einige 100 Seiten zu den Themen Struktur und Funktion des Pflanzenkörpers und pflanzliche Entwicklung bei. Der "Strasburger" verfolgt den Anspruch, das gesamte Wissen über Pflanzen umfassend, aktuell und dennoch gefiltert darzustellen. Auch wenn es noch nie so einfach war, sich Informationen zu beschaffen, besteht das Problem zunehmend darin, nach relevant und irrelevant zu filtern. Lehrbücher sind also nicht obsolet, sie sind wichtiger denn je. mehr...

FKI

Der Lehrpreis des Landes 2015 ging an Peter Nick and Mathias Gutmann. Mit dem Preisgeld bauten wir das Forum auf, um über die Grenzen von Fakultäten und Disziplinen kontroverse Themen zu hinterfragen und zu diskutieren. Im WS 2026-2027 geht es um Resilienz, die Fähigkeiten, Widrigkeiten zu meistern und sogar zu nutzen, um stärker zu werden. mehr...

 

ARTTI Podcast über Gentechnik in der Landwirtschaft. mehr...

 

 

 

 

Rätselhafte Plastidenfinger - wozu sind Stromuli gut?

Plastiden beherbergen die Photosynthese, die alles Leben auf unserem Planeten erhält. In Antwort auf Stress können sie lange fingerartige Auswüchse bilden. Diese Stromuli waren schon vor etwa 150 Jahren beobachtet, dann aber wieder vergessen worden. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurden sie wiederentdeckt. Zunächst glaubte man, dass die Plastiden über Stromuli als Röhren miteinander verbunden sind, was später aber widerlegt wurde. Wozu gibt es sie dann? Uns gelang es, durch Behandlung mit dem "Pflanzenadrenalin" Jasmonat, Stromuli gezielt und kontrolliert auszulösen und mithilfe von Spinning Disc Konfokalmikroskopie und fluoreszenten Markern zu untersuchen. Im Rahmen ihrer Promotion konnte Toranj Rahpeyma nun  zeigen, dass die gestressten Plastiden über Stromuli dem Zellkern signalisieren, dass sie Hilfe brauchen. Der Zellkern kurbelt dann die helfende Gene an, deren Produkte dann in den Plastiden eintransportiert werden. Stromuli nehmen aber auch mit anderen Teilen der Zelle Kontakt auf, zum Beispiel mit den Peroxisomen, die an der Bildung von Jasmonaten beteiligt sind. Diese mysteriösen Plastidenfinger sind also nichts anderes als die Manifestation der sonst unsichtbaren, komplexen Signalvorgänge, die im Inneren von Pflanzenzellen ablaufen, wenn sich diese Zellen mit Stress auseinandersetzen müssen. Diese Arbeit erscheint nun in Plant Physiology und hat es sogar auf die Titelseite geschafft.

Veröffentlichung

228. Rahpeyma T, Varo GV, Mühlberg F, Nick P (2026) Fingers for Signaling. A Possible Role Of Stromules In Intracellular Communication. Plant Physiol 201, kiag373 - pdf

Gesundheit als ökologisches Phänomen

Vor 150 Jahren konnte Robert Koch den Erreger der Tuberkulose mit einem einfachen und einleuchtenden Argument überführen: Eine Mikrobe, die immer dann beobachtet wird, wenn man die Symptome findet, die aber bei Gesunden fehlt, muss ja wohl die Ursache sein. Bei den neuartigen, durch den Klimawandel beförderten Holzkrankheiten im Wein- und Obstbau ("Esca & Co") führt dieses Kochsche Postulat jedoch nicht weiter: man findet die verdächtigen Pilze nämlich auch im Holz von gesunden Pflanzen ohne dass die Krankheitssymptome auftreten. In vorangegangenen Arbeiten konnten wir das Infektionsgeschehen unter kontrollierten Bedingungen im Labor nachstellen und zeigen, dass diese Pilze über chemische Signale das Immunsystem der Pflanze manipulieren und auch wahrnehmen können, wenn die Pflanze unter Klimastress steht. Im Rahmen des vom Strategiefond des Präsidiums geförderten Projekt "Microbes 4 Future" ging es nun darum, die komplexe Situation im realen Weinberg zu verstehen - diese Krankheiten traten früher nur sporadisch auf, richten aber infolge des Klimawandels weltweit riesige Schäden an. Entlang der gesamten Oberrheinebene sammelte unser Mitarbeiter Dr. Islam Khattab Erde aus dem Wurzelraum kranker Reben und von gesunden Pflanzen desselben Weinbergs. Aus dieser Erde wurde dann die DNS isoliert und über modernste bioinformatische Verfahren deren Mikrobenflora aufgeklärt. Es zeigte sich überraschenderweise, dass die verdächtigten Pilze auch an gesunden Reben vorkommen, hier aber isoliert voneinander leben. An kranken Pflanzen beobachtet man hingegen eine starke Vernetzung. In anderen Worten: unter Klimastress beginnen diese Pilze sich zu einem Team zusammenzuschließen und dann ist der Ausbruch der Krankheit nicht mehr fern. Krankheit ist also keine Frage der Anwesenheit bestimmter Mikroben, sondern entsteht infolge einer gestörten Mikrobenökologie. Diese Arbeit ist nun in der Fachzeitschrift Plant Soil erschienen:

226. Khattab IM, Magold T, Lenk F, Sturm G, Flubacher N, Kaster AK, Nick P (2026) Health or disease – a question of rhizomicrobial ecology? The case of grapevine trunk disease. Plant Soil 522, 697-714 - pdf

Klimaresilienz und Bioökonomie

Beim Wort Kreislaufwirtschaft denken die meisten an Mais und Biogas. In Zeiten des Klimawandels ist die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für die Energieerzeugung zunehmend kritisch zu bewerten. Wenn man Flächen, die aufgrund von Trockenheit oder Bodenversalzung ohnehin nicht mehr für die Nahrungsmittelerzeugung zur Verfügung stehen, für die Bioökonomie nutzen könnte, fiele die Bewertung ganz anders aus. Über die Jahre hinweg hat unser Philipp-Schwartz Stipendiat Dr. Adnan Kanbar aus Syrien das bioökonomische Potential der Sorghumhirse untersucht. Er konnte zeigen, dass diese extrem schnellwüchsige Pflanze auch mit Salzstress zurechtkommt und auf vielfältige Weise genutzt werden kann - aus den Stängeln kann man Zuckersaft pressen, aus dem man Bioethanol gewinnen kann, die Körner sind ein gesundes und nachhaltiges Nahrungsmittel und aus dem Rest lassen sich Fasern mit interessanten Eigenschaften gewinnen. Sogar eine neue Sorghumsorte, die in Deutschland gedeiht, KIT1, konnte er züchten. Wie kommt man nun vom Labor in die reale Anwendung? Man muss hochskalieren - hier ist die Versuchsanstalt des JKIP natürlich zu klein. Daher wurde in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum des Landes Baden-Württemberg ein großer Anbauversuch bei Forchheim und Ettlingen gestartet, um zu testen, wie sich verschiedene Sorghumsorten unter den schwierigen Bedingungen eines südbadischen Hitzesommers schlagen, welchen Ertrag man bekommt und wieviel Zucker gewonnen werden kann. Vor allem ging es darum, was man mit den Restfasern anfangen kann. In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Bodo Saake (Chemische Holztechnologie) an der Universität Hamburg konnten wir zeigen, dass man daraus Papier mit interessanten Eigenschaften herstellen kann. Die Ergebnisse erscheinen nun in der einschlägigen Fachzeitschrift Bioresources.

230. Kanbar A, Lemma HB, Saake B, Stolzenburg K, Nick P (2026) Potential of Sorghum Stalk as Climate Resilient Resource for Paper Production. Bioresources 21, 7247-7263 - pdf

Was wir forschen

Leben ist nicht einfach. Es gibt zwei Wege, das zu meistern – Tiere rennen davon, Pflanzen passen sich an. Wir wollen verstehen, wie. Der Schlüssel sind pflanzliche Zellen, denn sie vermitteln Gestalt, Anpassung und die enorme Vielfalt der Pflanzen.

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Evolution löst Probleme nachhaltig, auf vielfältige Weise. Können wir diese Vielfalt nutzen? Wir wollen Biodiversität schützen und nutzen. Wir entwickeln Methoden, um Verbraucherschutz in Zeiten der Globalisierung zu sichern. mehr... In unserem von Interreg Oberrhein geförderten Forschungsverbund nutzen für Resilienzfaktoren aus der fast ausgestorbe-nen Europäischen Wildrebe, um KliWi-Reben (für Klima-Widerstandsfähig) zu entwickeln. mehr...
Pflanzen sind Meister der Anpassung. Wie meistern sie Stress? Wir arbeiten an Jasmonsäure, dem pflanzlichen "Adrenalin", aber auch über das Immunsystem der Weinrebe. mehr..

Gemeinsam mit Partnern in Colmar und Basel versuchen wir im Projekt "Roots of Resilience" die Immunität von Weinreben über von uns identifizierte Wurzelmikroben zu stimulieren mehr...

Gemeinsam mit dem start-up Vertical Farm Tech und dem Max-Rubner Institut entwickeln ihr im Projekt "VFT4Hero" eine Vertical Farm Strategie für die Superfood-Pflanzen Ingwer, Curcuma und Wasabi. mehr...

Pflanzenzellen können Selbstorganisation ohne einen "Big Brother". Die Fähigkeit jeder einzelnen Zelle, sich selbst eine Richtung zu geben, ist hier zentral. Wie geht das? mehr...

Hygrophila, ein neues Modell, um Anpassung an Stress zu untersuchen steht im Zentrum der Forschungen von Dr. Jathish Ponnu und seinem Team (Wild Ideas Programm, 2025-2026). mehr...

 

PLANT PLASTICITY LAB (Dr. Jathish Ponnu)