Für die Öffentlichkeit

Woran arbeiten wir?
Das Leben ist nicht immer einfach. Es gibt zwei Arten, darauf zu reagieren: weglaufen oder sich anpassen. Überspitzt formuliert: Tiere laufen davon, Pflanzen passen sich an. Um ihr Überleben zu sichern, ändern sie ihren Stoffwechsel, ihre Entwicklung und ihre Gestalt. In unserer Arbeit versuchen wir diese Fähigkeit zur Anpassung zu verstehen und zu nutzen. Wir denken, dass man nur das sinnvoll anwenden kann, was man zuvor gründlich verstanden hat:
Einzelne Pflanzenzellen können den ganzen Organismus neu hervorbringen, bei uns kann das nur die befruchtete Eizelle. Wie entsteht hier ein geordnetes Ganzes, wie kann es sich gegen die ständig schwankende Umwelt behaupten? Wie ist die bei Pflanzen sehr große Vielfalt von Überlebensstrategien entstanden?
Das wollen wir verstehen.
Wir wollen aber nicht nur verstehen, wir wollen das Verstandene auch anwenden:
![]() |
Unser Wissen über pflanzliche Biodiversität trägt dazu bei, Problemlösungen der Natur für uns Menschen nutzbar zu machen. Der Klimawandel ist längst schon auch in unserer Region angekommen und beeinträchtigt den Weinbau. Während ihrer Evolution und Domestizierung ist die Weinrebe jedoch weit herumgekommen. Diese Klimageschichte trägt sie noch in sich - auch wenn wir Menschen die damit verbundenen Resilienzen versehentlich weggezüchtet haben. Über vier Jahre hinweg haben Forschungsgruppen aus 16 Ländern mithilfe von über 3000 Genomen aus alten Kultursorten und Wildreben diese Geschichte rekonstruiert. Mit diesen Daten haben wir nun im Botanischen Garten nicht nur eine umfangreiche Sammlung etabliert, sondern auch die Genome in einer Datenbank (GrapeKIT). Nun können wir damit beginnen, diese Schatztruhe der Natur für Klimaresilienz nutzbar zu machen. mehr... |
![]() |
![]() |
Unser Wissen über die Stressanpassung von Pflanzen kann helfen, Kulturpflanzen besser gegen den Klimawandel zu schützen. Steigende Meeresspiegel infolge des Klimawandels fordern ihren Tribut von der Landwirtschaft, vor allem in Küstennähe. Können wir Kulturpflanzen finden, die mit salzigen Böden zurechtkommen? Manche Sorten der Mohrenhirse aus dem Sudan wachsen sehr schnell, auch wenn es salzig wird. Bei der Suche nach dem Grund stießen wir auf besonders aktive Zuckertransporter, die in Antwort auf Salz ihre Verteilung ändern. Für einen dieser Transporter, SWEET13, konnten wir nun Steuersequenzen finden, die besonders wirksam auf Jasmonsäure reagieren, ein Stresshormon, das bei Salzbelastung gebildet wird. mehr... |
![]() |
![]() |
Unser Wissen über pflanzliche Zellen kann dafür genutzt werden, mit Pflanzenzellen wertvolle Wirkstoffe für die Medizin erzeugen. Die Hainanensische Kopfeibe (Cephalotaxus hainanensis) ist fast ausgestorben und bildet das wertvolle Harringtonin, das bislang wirksamste Mittel gegen Leukämie. Gemeinsam mit der Gruppe unseres ehemaligen Doktoranden Fei Qiao in Hainan, konnten wir nun den ersten Teil der Harringtoninbildung aufklären. Dies wurde nun in den angesehenen Proceedings of the National Academy of the USA (PNAS) publiziert. Damit wird es nun möglich, die Harringtoninbildung biotechnologisch in Tabakzellen nachzubilden. Biotechnologie könnte also dabei helfen, diesen vom Aussterben bedrohten Baum zu retten. Beitrag im Campusradio.
|
![]() |





